|
Erzählt von Regisseur und Drehbuchautor PETER THORWARTH...
Nach meinem ersten Übungsfilm, "Was nicht passt, wird passend gemacht" 1996, hörte ich von allen Seiten, dass ich jetzt unbedingt eine lange Version machen solle.
Einerseits freute ich mich über den Erfolg meines Kurzfilms, auf der anderen Seite gingen mir die gutgemeinten Ratschläge auch ziemlich auf die Nerven. Ich empfand den Kurzfilm als rund und abgeschlossen und sah keinen Sinn darin, die gleiche Geschichte noch mal zu machen. Zu oft hatte ich aufgeblasene Kurzfilme gesehen, die über 90 Minuten auch nicht mehr zu erzählen hatten. Außerdem wollte ich für mich erst mal andere Ideen verwirklichen.So entstand mein zweiter Übungsfilm, "Mafia Pizza, Razzia", in dem Christian Becker und ich an Filmblut nicht gespart hatten. Selbst, wenn ich diesen Film heute so nicht mehr machen würde, war es für mich eine Gelegenheit, mich auszutoben und mich von gewissen äußeren Erwartungen freizumachen.
Ich muss zugeben, dass ich die stark polarisierten, zum Teil schockierten und erbosten Reaktionen auf "Mafia, Pizza, Razzia" genossen habe.
Nach einem kurzen Ausflug ins Fernsehgeschäft hatte ich dann das Privileg meinen ersten Kinofilm machen zu dürfen. "Bang Boom Bang" ist sehr beeinflusst durch die Erzählungen meines Vaters, der als Kriminalkommissar in Dortmund gearbeitet hat. Diese Stories haben mich von kleinauf fasziniert und spukten schon lange als Filmidee in meinem Kopf herum. Als ich vor ein paar Monaten über die Produktion davon hörte, dass die beiden Autoren Martin Ritzenhoff und Matthias Dinter („Fußball ist unser Leben“) sich gerne an einer langen Version von "Was nicht passt..." versuchen würden, hatte ich zunächst kein großes Interesse. Meine beiden Mitstreiter Christian Becker und Thomas Häberle baten mich um ein Treffen. Das war eine gute Idee, denn in dem Treffen sprudelte es nur so vor Ideen und ich merkte wieder, wie dankbar das Genre mit seinen Charakteren ist. Was mich aber am meisten begeistert hat ist, dass wir für die lange Fassung eine Prämisse gefunden haben, die sich lohnt erzählt zu werden.
Bei über vier Millionen Arbeitslosen in Deutschland, brauchen wir eine Geschichte die Mut macht. "Was nicht passt..." spielt im Arbeitermilieu und beschäftigt sich mit den nachvollziehbaren Sorgen und Problemen eines großen Teils der deutschen Bevölkerung. Ich würde mich freuen, wenn der Film auch ein Stück Hoffnung gibt, ähnlich wie es uns die Engländer mit ihren Proletariats-Komödien (z.B. „Brassed Of“, „Full Monty“) vorgemacht haben. Ich finde es gerade originell, dass der Kurzfilm als Intro fast zu hundert Prozent in der langen Version eingearbeitet ist. Er hat gezeigt, dass er außergewöhnlich gut funktioniert und ist jedoch nur einem sehr begrenzten Publikum zugänglich gewesen. So fließen auch jetzt wieder meine eigenen Erfahrungen, die ich als Abiturient in den Ferien auf dem Bau gemacht habe, in die Geschichte mit ein. Philipp ist der Fremdkörper in der "homogenen Truppe". Er bekommt das Motto "Was nicht passt, wird passend gemacht" am eigenen Leib zu spüren. Aber nicht nur er lernt dazu, sondern auch die Baustellen-Jungs müssen erfahren, was der Student für ein Gewinn für die Firma ist.
Der heimtückische Plan unserer Bauarbeiter ihren “fiesen Boss“ abzuzocken, führt zu einer nicht gewollten Konsequenz. Plötzlich droht die Firma Konkurs zu gehen. Zunächst handeln unsere Jungs aus reinem Egoismus. Um ihre Jobs zu retten, muss der Bau so schnell wie möglich hochgezogen werden. Als immer mehr Probleme auftauchen, die meistens auch wieder das Resultat ihres eignen fahrlässigen Handelns sind, scheint ihr Bemühen aussichtslos. Erst jetzt macht sich ihr moralisches Bewusstsein bemerkbar. Der neureiche Chef Werner Wiesenkamp findet durch seinen sozialen Abstieg später wieder zu seinen Wurzeln zurück und macht eine charakterliche Wandlung durch, ebenso wie der verbohrte Polier Horst erkennen muss, dass seine geliebte Tochter Astrid allmählich erwachsen wird.
Mit viel Charme und Witz wird die Problematik illegal beschäftigter Ausländer und Schwarzarbeit thematisiert. Darüber hinaus behandelt der Film aber auch ein sehr deutsches Phänomen... Ähnlich wie die DDR Bevölkerung immer über die große Mauer geguckt hat, schielt auch unsere Truppe über den Bauzaun auf die große andere Baustelle: Hier scheint alles besser, sauberer und schöner zu sein. Die Arbeiter sind ständig im Urlaub, kriegen rechtzeitig ihren Lohn und machen pünktlich Feierabend. Diese Illusion hält solange an, bis die Jungs tatsächlich auf der anderen Seite arbeiten dürfen. Jetzt müssen sie feststellen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Unter dem Druck der freien Marktwirtschaft, drohen unsere Jungs ihre Herzlichkeit zu verlieren, die sie einst ausgemacht hat.
|